12.01.2012 Allgemein, Presse

Schöpfwerke sollen’s richten?

Leserbrief an die Bergedorfer Zeitung, 12. Januar 2012, zu den Artikeln “Mehr Sicherheit durch zwei neue Schöpfwerke” und “Schöpfwerke sollen Abhilfe schaffen”

Schöpfwerke sollen’s richten?

Drei Tage Sturmflut plus Regen bedrohten 500 Bergedorfer Häuser unmittelbar. Retentionsflächen, sieben Schöpfwerke, drei Schleusen, Wehre und unzählige Pumpen konnten die Wassermenge gerade noch bewältigen. Jetzt wird nach noch mehr Technik gerufen, zwei neue Schöpfwerke sollen’s richten. Vielleicht richten sie’s ja. (Zusammen mit der bis 2013 versprochenen Instandsetzung und Modernisierung von Schöpfwerken, Pumpen, Brücken und Durchlässen, für die der Bezirk Mittel aus dem Konjunkturpaket bekommen hat.) Vielleicht aber auch nicht. Denn zum einen werden die Hochwassereignisse häufiger und heftiger, zum anderen wird die Flut noch höher auflaufen, wenn erst die Fahrrinne
nochmals vertieft wurde. Zudem wissen selbst die Experten heute, auch nach vielen Gutachten, noch immer nicht genau, wie unser Gebiet hydraulisch wirklich funktioniert.

Trotzdem soll genau da, wo die Elbe im rechten Winkel auf das obere Ende der Vier- und Marschlande trifft, nämlich an den Borghorster Elbwiesen, eine Wunde in den bestehenden Hochwasserschutz geschlagen werden. Mit der Dauervernässung der Borghorster Elbwiesen wird der Wasserdruck auf unser Gebiet, wie ihn die Anwohner an Dove- und Gose-Elbe gerade eben erst wieder in voller Pracht erleben konnten, noch stärker. Und das wird sich bis Bergedorf, Allermöhe und Ochsenwerder auswirken. Daran werden auch die Schöpfwerke nichts ändern, inklusive dem, das in Altengamme neu gebaut werden soll.

Wir wehren uns gegen die Vernässung der Borghorster Elbwiesen, weil wir nicht glauben, dass es keine Auswirkungen geben wird. Das Restrisiko von Wasserschäden wird steigen, der Wert unserer Häuser und Ackerflächen wird fallen. Seit Jahren müssen uns anhören, dass wir selbst schuld sind, unsere Häuser hier gebaut zu haben. Offensichtlich sind die ganzen Vier- und Marschlande von dummen Bauherren bevölkert, die selbst schuld sind, hier gebaut zu haben. Weil: Wer in der Elbmündung wohnt und/oder seinen Betrieb hier hat, muss schließlich ständig mit Elbvertiefungen und Rückdeichungen rechnen und obendrauf noch mit steigenden Meerwasserspiegeln.

Jean-Jacques Ripoche, BI Escheburg-Vossmoor

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