23.01.2012 Allgemein

Mut zur Lücke? Geesthachts offene Flanke

Vom legendären Elbhochwasser 2002 blieb Geesthacht “gerade noch so” verschont; auch das Frühjahrshochwasser 2011 zerrte hauptsächlich an den Nerven, passiert ist aber nichts. Ein paar Zentimeter trat die Elbe über die Ufer, es war kritisch, aber nicht bedrohlich. Dennoch rüstet jetzt auch Geesthacht seinen Hochwasserschutz auf und bereitet die Erhöhung des Schleusenleitdamms von 7,60 m auf 8,50 m.

Und östlich an den Damm anschließend, bis zur Wärderstraße, wird seit einigen Tagen eine Spundwand in den Boden getrieben, die das Hochwasser abhalten soll. Hier einen Deich zu bauen geht nicht, denn zwischen Oberem Schleusenkanal und Straße ist zuwenig Platz. Darum die platzsparende und außerdem billige Spundwand. Am Montag, dem 16. Januar 2012, wurde pressewirksam eine Spezialramme in Betrieb genommen, die die Mega-Bleche in den sandigen Boden treibt. “Das ist hier eine ganz wesentliche und bedeutende Maßnahme für die Stadt Geesthacht”, zitiert die Bergedorfer Zeitung Maren Marquardt, Erste Stadträtin in Geesthacht. Auch die Umweltministerin Dr. Juliane Rumpf war zugegen, ist sie doch die Herrin über den Hochwasserschutz im Land und somit auch über insgesamt 3,8 Kilometer Elbdeich. Sie sagte: „Wir schließen eine Lücke, denn Hamburg und Niedersachsen haben auch einen Schutz von 8,50 Metern“.

Lückenloser Hochwasserschutz?
“Wir schließen eine Lücke…” Lücken schließen ist immer gut, irgendwann entsteht dann vielleicht auch ein lückenloser Hochwasserschutz für Geesthacht. Doch mit der Erhöhung des Leitdamms und der Spundwand allein wird Geesthacht seine Lücken noch nicht ganz los, denn da ist noch eine offene Flanke. Die wird man spätestens dann erkennen, wenn Hamburg planmäßig die Borghorster Elbwiesen flutet: Der so genannte Querriegel vom Leitdamm landeinwärts bis in die Besenhorster Sandberge, vorbei am Mischwerk. Dieser Querriegel fehlt, vorhandene Aufhöhungen stellen offenkundig keinen ausreichenden Schutz vor hohen Wasserständen dar. Und die lustige Sandverwallung von 50 Zentimetern Höhe, die Hamburg spendieren will, ist ein Witz. Wenn Hamburg tatsächlich den Schleusenleitdamm aufreißt und die Hans-Mayer-Siedlung und das Industriegebiet am Schleusenkanal trotzdem nicht absaufen sollen, dann muss diese Lücke mit einem ausreichend starken Deich abgesichert werden.

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Zum Foto: Abgeholzter Schleusenleitdamm, Am Schleusenkanal, Geesthacht.

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