13.01.2012 Allgemein, Presse

Diese Anhörung war eine Farce

12.12.2011 | 194 Einwendungen und Stellungnahmen von Bürgern, Unternehmern und “TÖBs” (Träger öffentlicher Belange) hatte die Wirtschaftsbehörde zur Wiedervernässungsmaßnahme in den Borghorster Elbwiesen erhalten. Beim Erörterungstermin hatten die Einwender formal noch einmal – letztmalig – die Gelegenheit, ihre Bedenken so vorzubringen, dass die Behörde es möglichst schwer hat, die Maßnahme zu beschließen. Denn vor Ort will niemand, dass der Schleusenleitdamm geöffnet und das rund 70 Hektar große Areal dahinter dauerhaft geflutet bzw. vernässt wird. Nur die Wirtschaftsbehörde, die sich gezwungen fühlt, einen Ausgleich für das von Airbus okkupierte Mühlenberger Loch zu schaffen, hält zwanghaft daran fest, diesen Ausgleich hier zu schaffen. Ausgerechnet hier, am oberen Ende der Vier- und Marschlande, wo die Elbe mit voller Wucht auf die tiefliegenden Gebiete von Hamburg und Geesthacht stößt und den Wasserdruck im Gebiet empfindlich stören könnte.

“Eine Farce war das!” Ganz viele der anfangs rund 100 Teilnehmer am Erörterungstermin “Borghorster Elbwiesen” am 5. Dezember 2011 im Geesthachter Rathaus sahen das so – manche empört, andere wiederum hatten ohnehin nichts anderes erwartet. “Sie haben die Tagesordnung absichtlich so gestaltet. Damit möglichst wenige zu Beweissicherung und Schadenersatz zu Wort kommen.” meinte eine ärgerliche Nachbarin, die am Knollgraben wohnt und am Nachmittag zur Arbeit musste, bevor es richtig spannend wurde.

“Mit Naturschutz hat dieses Projekt nicht mehr viel zu tun, mit all den technischen Bauten, die uns angeblich schützen und das Wasser unter Kontrolle halten sollen.”, bemerkte Jean-Jacques Ripoche vom Kiefernweg. Und viele fragten sich: “Wenn die ReGe so sicher ist, dass das Grundwasser nicht ansteigt: Warum will Hamburg uns dann keine Schadenersatzgarantie gewähren?”

“Wir haben aus unserer Sicht keinen Zweifel daran, dass Ihren Grundstücken und Häusern durch das Projekt keine Gefahr droht.”, habe ReGes Rolf Semrok in Geesthacht wörtlich gesagt. Und sein geologischer Gutachter Markus Keller ergänzt: Mit Stemmtoren, Schöpfwerk, einer Randdrainage und einer Pumpe mit 20 Kubikmetern Leistung pro Stunde sei man sicher, eine “verringerte Grundwassererhöhung” zu erreichen.

Allein, die betroffenen Anwohner vertrauen dem nicht. Sie fordern mehr Sicherheit und nannten in Geesthacht eine ganze Reihe von Risikofaktoren. Den fehlenden Hochwasserschutz am Mischwerk mahnte Gunter Schrock, Bürgermeister von Escheburg, an. Fehlende Berechnung einer höher auflaufenden Flut durch die Fahrrinnenvertiefung 2012 prangerte Peter Biermann aus der Hans-Mayer-Siedlung an. Das fehlende Risikokonzept, das Dirk Harden vom Altengammer Hauptdeich einklagte, die Erinnerung an die vier Jahrhundertfluten in den letzten 10 Jahren, deren Folgen bis Bergedorf reichten, und derlei mehr wurde der Planbehörde zu deren Erkenntnisgewinn auf den Weg gegeben.

Die Tagesordnung, die Joachim Knüppel aus Geesthacht zu ändern beantragte, um Tagesordnungspunkt 6 “Beeinträchtigung von (Eigentums-)Rechten” vorzuziehen, blieb, wie sie war, weil die vorsitzende Planfeststellungskommissarin Dr. Tjardes hart blieb. So wurde dieser kritischste aller Punkte am Ende des Tages, gegen 19 Uhr, mit etwa 10 verbliebenen Einwendern abgehandelt.

Sollte hier eine gründliche Diskussion vermieden werden? Bald wird sich zeigen, wie die Behörde die gewonnenen Erkenntnisse umsetzt: Entweder in Nachbesserungen oder in einen Beschluss, der zur nassen Bedrohung tief liegender Areale auch im Bezirk Bergedorf geraten könnte.

Die randvolle Brookwetter, normalerweise ein schmaler Graben, entwässert nach Bergedorf. Nach drei Tagen Sturm von Westen und etwas Starkregen liegt der Pegel hier schon auf Flurhöhe. Im Bezirk Bergedorf droht Land-unter. — Rechts im Hintergrund Häuser im Vossmoor. Foto vom 5. Jan. 2012

Test/Bild: Carin Schomann; Erstabdruck im Vierländer Bote, Januar 2012

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Zum Foto oben: Eindruck von der Akteneinsicht im November 2011 bei der Behoerde fuer Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI)

One Response to “Diese Anhörung war eine Farce”

  1. »Wir leben hier auf drei Giftbomben!«…

    Wasser hat keine Schranken. Und Wasser wäscht Gifte aus dem Boden heraus.Sandra Petersen aus der Geesthachter Hans-Meyer-Siedlung brachte es auf den Punkt: »Wir leben hier auf drei Giftbomben!«, erklärte sie am letzten Freitag in Waltrauts und Wolfgang…

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